S&P 500, Nasdaq, DAX, ATX und Nikkei, gestartet 1976, 1995, 2008 und 2019. Jeweils normal (1x), 2x und 3x gehebelt. Entweder immer investiert oder mit Ausstieg unter der 200-, 100- oder 50-Tage-Linie und Wiedereinstieg darüber. Ergebnis: Die Linien kosten fast immer Rendite. Hebel bringt im Sparplan fast immer mehr, zwischendurch fällt das Depot aber so tief, dass es kaum jemand aushält.
1x mit 200-, 100- oder 50-Tage-Linie schlägt normales Halten in keinem einzigen Index-Startjahr-Paar, weder im Sparplan noch bei der Einmalanlage.
2x halten liegt am Ende immer vor 1x, 3x halten in 16 von 18. Der Grund: Die monatlichen Käufe fallen genau in die Crash-Tiefs.
3x halten verliert als Einmalanlage zwischendurch 98–100 %. Im Sparplan ist das Depot zeitweise nur noch 3–49 % der eingezahlten Summe wert.
Nur bei 3x als Einmalanlage bringt eine Linie meistens mehr als Halten (12 von 18). Im 3x-Sparplan klappt das nur in 3 von 18 Fällen.
Depotwert über die Zeit, logarithmische Skala: Jede Gitterlinie ist ein Vielfaches. Rote Strichlinie = eingezahlt. Linien zeigen den Wert vor Steuern, die Zahlen über jedem Chart sind nach KESt. Varianten unten an- und abwählen, das gilt für alle Charts.
Grün = besser als 1x halten, rot = schlechter, beim gewählten Startjahr und Modus.
Derselbe Verlauf groß, mit Werten beim Drüberfahren. Varianten oben auswählen.
Die Durchschnittslinien schützen, aber sie kosten. Sie senken den größten Absturz beim 1x-Index von 55–77 % auf etwa 33–62 %. Dafür verpasst man die schnellen Erholungen und zahlt bei jedem Verkauf KESt. Die 50-Tage-Linie ist am schlechtesten: meist über 300 Trades mit ständigen Fehlsignalen. Die 200er ist von den dreien meist die beste.
Hebel im Sparplan wirkt in dieser Rechnung wie ein Wundermittel. Das ist er nicht. Hier hat jeder Index Jahrzehnte später höher gestanden. Wer 3x hält, braucht einen Markt, der sich immer wieder erholt, und die Nerven, bei −95 % weiterzusparen. Beim Nikkei ab 1976 ist das Depot zwischendurch auf 3 % der Einzahlungen gefallen. Als Einmalanlage wurden 10.000 € dort nach 50 Jahren zu 8.500 €. Beim ATX ab 2008 blieben 2.700 € übrig.
Die Nasdaq-Zahlen ab 1976 (z. B. 28 Mio. mit 3x + 50-Tage-Linie) sind Luftschlösser. In den 70ern und 80ern haben die Nasdaq-Kurse „nachgehinkt“: Viele kleine Aktien wurden selten gehandelt, dadurch folgte auf einen Plus-Tag oft wieder ein Plus-Tag (Korrelation 0,35 statt ~0). Tägliche Hebel und Trendsignale profitieren davon, handeln konnte man das aber nie. Ab 2000 ist der Effekt weg. Beim S&P der 70er gibt es ihn abgeschwächt (0,25), beim ATX leicht (0,05–0,09).
Das Startjahr entscheidet mehr als die Strategie. 2019 misst nur 7 Jahre fast durchgehenden Aufschwung, darum sieht Hebel dort gut aus. 1995 und 2008 enthalten Dotcom, Finanzkrise und Corona. Japan zeigt, was ein verlorenes Jahrzehnt mit Hebel anrichtet.
Über die ganze Geschichte wird der Unterschied brutal. S&P-Sparplan ab Jänner 1928: 1x halten ergibt nach KESt rund 231 Mio. aus 118.500 € Einzahlung, 3x halten rechnerisch 2,9 Mrd. Dafür war das 3x-Depot nach 1929 nur noch 3,7 % der Einzahlungen wert, 1x fiel auf 31 %. Als Einmalanlage kehrt es sich um: Aus 10.000 € werden mit 1x 88 Mio. und mit 3x halten nur 24 Mio. Beim Nikkei ab 1965 sind es 948.000 € mit 1x gegen 28.000 € mit 3x.
Für einen Sparplan bleibt 1x halten die robuste Wahl. Wer Hebel will, fährt mit 2x ohne Linie historisch am ausgeglichensten: Er hat 1x in 18 von 18 Fällen geschlagen, stürzt aber immer noch um 88–99 % ab. Die Linien lohnen sich höchstens bei 3x und dann eher als Crash-Bremse denn als Renditebringer.
S&P 500 Total Return (vor 1989 Dividenden geschätzt). Nasdaq Composite mit ~1 % Dividende geschätzt. DAX ist schon ein Performance-Index. ATX mit ~3 % und Nikkei mit ~1,5 % Dividende geschätzt. DAX gibt es erst ab Ende 1987 und ATX ab Ende 1992, daher fehlen beide für 1976.
Tägliche S&P-Kurse gibt es erst ab 30.12.1927, darum startet „Seit Beginn“ im Jänner 1928 und nicht 1925. Das ist trotzdem mitten im Boom, 21 Monate vor dem Crash, und der S&P hat sich bis Herbst 1929 noch fast verdoppelt. Die anderen Indizes steigen an ihrem ersten Handelstag ein: Nikkei 01/1965, Nasdaq 02/1971, DAX 01/1988, ATX 11/1992. In den ersten 200 Tagen gibt es noch keine Linie, dort ist jede Variante investiert. KESt wird der Vergleichbarkeit halber auch rückwirkend abgezogen.
Alle Werte in Heimatwährung ohne Wechselkurs: S&P und Nasdaq in USD, Nikkei in Yen. Ein Euro-Anleger hätte beim Nikkei den Yen-Verfall seit 2012 zusätzlich gespürt.
Täglich gehebelt, mit Finanzierung zum jeweiligen Geldmarktzins (USA, Deutschland/Euro, Japan) + 1,1 % + TER 0,6–0,75 %, geeicht an echten 2x-ETFs. Für den ATX gibt es praktisch nur Faktor-Zertifikate, für Nikkei und DAX wenige Produkte. Ausstieg und Einstieg immer am Tag nach dem Signal, dazwischen verzinstes Konto.
Historischer Backtest mit geschätzten Dividenden und Hebelkosten, keine Anlageberatung und keine Prognose. Gehebelte Produkte können in einem Crash fast oder ganz auf null fallen.